Gemeindepädagogisches Forum – nächster Termin: 21. September 2026
Mission Augenhöhe – kein Fall für den Hocker
Unter diesem Motto fand das Gemeindepädagogische Forum für beruflich Mitarbeitende in gemeindepädagogisch-diakonischen Arbeitsfeldern am 8. September 2025 in Haus Villigst, Schwerte, statt.
Mission Augenhöhe – das gemeindepädagogische Forum 2025 legte einen Startpunkt für Work-Out-Pläne zum Training von Augenhöhe und startet 2026 mit Augenhöhe 2.0 in eine zweite Trainingsphase.
Mit 140 Kolleginnen und Kollegen war das gemeindepädagogische Forum Anfang September sowohl voll ausgebucht als auch mit neuer Arbeitsweise unterwegs.
Zur neuen Arbeitsweise zählte eine Einführung in ein Trainingsprogramm von Augenhöhe.
Besondere Highlights waren zwei kompetente Impulsgeber*innen. Statt einer externen Referent*in stellt sich Präses Dr. Adelheid Ruck-Schröder dem Thema Mission Augenhöhe sowohl aus persönlicher als auch aus der Perspektive ihrer neuen Leitungsrolle als geistliche Leitende der Evangelischen Kirche von Westfalen. Ihr Einstieg lebte und atmete Augenhöhe mit Kolleginnen und Kollegen. Sie brachte drei Thesen in den Diskurs ein.
These 1: Die Rede von Augenhöhe verschleiert tatsächliche Machtverhältnisse und verhindert notwendige Distanzaufnahme.
These 2: Statt Augenhöhe brauchen wir Multiperspektivität, das Respektieren unterschiedlicher Sichtweisen, komplexe Systeme erfordern multiple Perspektiven.
These 3: Profilierung der Beruflichkeit ist entscheidend. Was Frisöre können, können nur Frisöre. Was Gemeindepädagog*innen können, können nur Gemeindepädagog*innen…
In den Ausführungen zu diesen Thesen machte Dr. Adelheid Ruck-Schröder deutlich, dass sie die Kirche mit ihrem hierarchisch aufgebauten System und der Theologie als Leitprofession kritisch betrachtet und benennt Herausforderungen, die sich daraus ergeben. „Wir brauchen Interesse an und Wissen über die anderen kirchlichen Berufe und ihre spezifischen Fähigkeiten.“ Mit ihren Impulsen aus ihrer Leitungsperspektive stellte sie sich sowohl den anschließenden Fragen und Anmerkungen der Teilnehmenden und brachte sich den gesamten Tag über in die anschließenden Workshop-Phasen aktiv ein. Damit setzte Dr. Adelheid Ruck-Schröder nicht nur Signale als Impulsgeberin, sondern sie lebte Augenhöhe in den Begegnungen des Tages, der Mitarbeit in den Workshops und Aktionen und stellte sich zum Abschluss mit allen anderen unter den Augenhöhe-Segen.
Jonas Leimann, der als Trainer und Moderator Mission Augenhöhe mit verschiedenen kreativen Impulsen einbrachte und für die Tagung einen Work-Out-Planer mit uns entwickelte, stieg nach ersten Impulsen zum Thema mit einem Team aus Co-Trainerinnen und -Trainern in die aktive Trainingsphase ein. Er spannte einen weiten Bogen aus der Sozialpsychologie („Augenhöhe ist wechselseitiger Respekt, gleichwerte Kommunikation trotz Unterschied in Rollen.“ Friedemann Schulz von Thun 2013) über verschiedene internationale Sichtweisen von Augenhöhe („Augenhöhe heißt Gemeinschaft stärken – ich bin, weil wir sind“, vergleiche Hofstede 2010) oder japanische Sichtweise („Augenhöhe heißt Würde wahren, Respekt zeigen, Kritik indirekt äußern“, vergleiche Goffmann 1955) bis hin zu Systemtheorien: („Systeme brauchen Strukturen, um Komplexität zu reduzieren. Augenhöhe ist Kultur“, vergleiche Niklas Luhmann 1997).
Anschließend führte Jonas Leimann in die Bedeutung von Körpersprache und Mimik ein und nahm alle Teilnehmenden in erste Übungen mit auf den Weg zum Augenhöhe-Training. Hier ein kleines Beispiel: Die Teilnehmenden hatten die Aufgabe, das simple Schnick-Schnack-Schnuck miteinander zu spielen. Die dabei unterlegene Person hatte die Aufgabe, die andere Person im nächsten Schnick-Schnack-Schnuck-Duell anzufeuern. Im Nu entstand eine großartige heitere Stimmung, in der die Unterlegenen im Spiel die Gewinnerin oder den Gewinner anfeuerten. Das war nicht nur ein fröhlicher Aufmunterer und Eisbrecher, sondern auch ein gutes Symbol für Augenhöhe. Weder gewinnen oder verlieren noch Rolle oder Status in der gemeinsamen Umsetzung dieser „Aufgabe“ spielten eine Rolle. Am Schluss feierten alle Barbara Eggers aus Gelsenkirchen-Wattenscheid und alle fühlten sich gleichsam mit als Gewinnerin und Gewinner. Die schon zur Tradition gewordenen Gesprächsinseln im Anschluss an die erste Trainingseinheit spiegelten die Vielfältigkeit der Handlungsfelder in unserer Kirche wider.
Nach dem Mittagessen startete eine intensive sprintartige Workshop-Phase, in denen 9 Kleingruppen immer weiter verdichteten, was sie in ihren persönlichen Work-Out-Plänen am Vormittag formuliert hatten. In 5 Phasen ging es dann schon in der 3. Phase hin zum XXL-Workout-Plan, der für die Kleingruppe erstellt wurde, auf dem die gesammelten Erkenntnisse der Gruppe zusammengetragen wurden, um dann sowohl einen Transfer ins Individuelle als auch eine Abschlussverdichtung Mission Augenhöhe in einem Satz zu beschreiben. So entstanden am Ende 10 Mission-Augenhöhe-Sätze, die im Anschluss im gemeinsamen Plenum sichtbar wurden.
- Augenhöhe bedeutet: Menschen begegnen und Strukturen positiv gestalten.
- Augenhöhe verinnerlichen heißt: aus dem Ich mit dem Du kann ein Wir werden – mit Gottes Hilfe.
- Mission Augenhöhe heißt für uns: strukturelle Augenwischerei, nerviges von oben herab, Intransparenz, Verschleierung von Machtverhältnissen und statischen Hierarchien zu STOPPEN!
- Augenhöhe ist eine integrierende Haltung und respektvolle Kommunikation!
- Mission Augenhöhe heißt für uns, Sehen und Gesehen werden sowie wertschätzend zu kommunizieren, indem wir in Liebe wahrnehmen und stets geschwisterlich reflektieren.
- Augenhöhe ist ein authentisches selbstreflektives Ich in der Begegnung mit anderen (…) auf die wir treffen, zu sein bzw. zu werden.
- Mission Augenhöhe ist ein bewusster Wahrnehmungsprozess mit Beteiligung anderer. Es ist eine Frage von Haltung und Respekt.
- Mission Augenhöhe heißt, eine authentische professionelle Haltung zu haben, zu reflektieren, zu kommunizieren und ggfs. anzupassen für ein bestmögliches Wir.
- Mission Augenhöhe heißt, die Grundfunktion von Kirche zu leben: den Glauben bezeugen, Gemeinschaft zu leben und den Dienst an den Mitmenschen zu praktizieren.
- Gott sieht uns. Wir sehen uns. Lass uns reden.
Dieses Destillat aus 140 gemeindepädagogischen Blickwinkeln zeigt, worum es im Training geht: Begegnung von Mensch zu Mensch.
Zum Schluss kam ein Augenhöhe-Würfel ins Spiel, auf den die Teilnehmenden noch einmal für ihren Arbeitsplatzalltag kleine Stichworte festhalten können, um sie im Alltag spielerisch einzuwürfeln.
Im Augenhöhe-Segen stellten sich alle unter den aronitischen Segen. Darin wird das Angesehen sein bei Gott und ein freundliches Angeschaut-Werden angesprochen.
Hast Du Lust bekommen bei Augenhöhe 2.0 dabei zu sein? Dann wähle Dich am 26. Januar 2026 von 10:00-10:45 Uhr unter diesem Link mit ein:
https://eu01web.zoom.us/j/63658285651?pwd=7WCkFNHMtAcrPksIe6xqwPci5wzAPE.1
Meeting-ID: 636 5828 5651
Kenncode: 686407
Weitere Workout-Pläne sind bei uns erhältlich: VSBMO@ekvw.de